Rasen im Herbst erneuern: Nachsaat, Neuansaat oder Rollrasen?
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Ende Sommer zeigen viele Rasen die Spuren der heissen Jahreszeit: lückige Stellen, gelbe oder trockene Flecken, Unkraut, das sich ausgebreitet hat. Man ist versucht, mit der Sanierung bis zum Frühling zu warten, doch für die Rasen in unseren Gärten ist der Frühherbst fast immer der beste Zeitpunkt, um einzugreifen.
Möchten Sie zuerst verstehen, warum Ihr Rasen gelitten hat, finden Sie die häufigsten Ursachen in unserem Ratgeber zum gelben Rasen.
Warum ist der Herbst die beste Zeit, um den Rasen zu erneuern?
Im Herbst ist der Boden vom Sommer noch warm, die Luft kühler, und an Feuchtigkeit fehlt es meist nicht: ideale Bedingungen, damit das Saatgut keimt und die jungen Pflanzen vor den ersten Frösten Wurzeln bilden (Royal Horticultural Society). Unkräuter wachsen weniger als im Frühling, und ein im Herbst gesäter Rasen hat zwei kühle Jahreszeiten, Herbst und Frühling, um sich vor der ersten Sommerhitze zu kräftigen (Penn State Extension).
Entscheidend ist vor allem die Bodentemperatur. Die Samen der Rasengräser keimen ab etwa 10 °C deutlich schneller (technische Datenblätter von Hauert), und unter 7 °C kommt die Keimung fast ganz zum Stillstand (RHS). In der Ebene und in Seenähe bleibt der Boden in der Regel bis Oktober mild; in den Tälern und in höheren Lagen sät man besser schon im September.
Nachsaat, Neuansaat oder Rollrasen: Was ist die richtige Wahl?
Das hängt davon ab, wie stark der Rasen beschädigt ist und wie schnell Sie ihn wieder nutzen möchten:
- Nachsaat: Der Rasen ist lückig oder hat einige kahle Stellen, doch gesundes Gras bedeckt noch den grössten Teil der Fläche. Gesät wird direkt in den bestehenden Rasen, ohne ihn zu entfernen.
- Neuansaat: Der Rasen ist eher kahl als grün, voller Unkraut, oder der Boden darunter ist verdichtet und uneben. Die alte Grasnarbe wird entfernt, der Boden vorbereitet und von Grund auf neu gesät.
- Rollrasen: Sie möchten sofort einen grünen Rasen, oder die Fläche liegt am Hang, wo der Regen das Saatgut wegschwemmen könnte. Rollrasen kostet mehr als eine Ansaat, aber das Ergebnis ist sofort da.
Wie funktioniert die Nachsaat, Schritt für Schritt?
- Mähen Sie den Rasen kurz, auf etwa 4–5 cm (Iowa State University).
- Entfernen Sie den Rasenfilz, also die Schicht aus abgestorbenem Gras und Moos an der Oberfläche, durch Vertikutieren, oder aerifizieren Sie den Boden mit einem Aerifizierer. Das Saatgut muss direkten Kontakt zur Erde haben.
- Säen Sie gleichmässig, etwa 20 g Saatgut pro m² (technisches Datenblatt von Hauert für die Regeneration); gehen Sie zweimal kreuzweise über die Fläche, damit keine Lücken bleiben.
- Decken Sie die Saat mit einer dünnen Schicht sandiger Erde ab oder rechen Sie sie leicht ein, dann walzen Sie die Fläche oder treten sie mit den Schuhen an, damit das Saatgut Kontakt zum Boden behält.
- Wässern Sie sofort mit feinem Sprühregen und halten Sie die Oberfläche in den folgenden Tagen feucht.
Wie legt man einen Rasen von Grund auf neu an?
Lohnt es sich nicht mehr, den alten Rasen zu retten, wird die Grasnarbe samt Wurzeln abgetragen, der Boden bearbeitet, und Steine sowie Wurzelunkräuter werden entfernt. Danach wird die Fläche mit dem Rechen eingeebnet, leicht verdichtet, und der Boden erhält Zeit, sich zu setzen, damit nach den ersten Regenfällen keine Mulden entstehen.
Gesät wird wie bei der Nachsaat, aber mit etwas mehr Saatgut: etwa 25 g pro m² für einen neuen Rasen (technisches Datenblatt von Hauert). Nach der Saat wird leicht eingerecht, gewalzt und gewässert. Für einen Hausgarten empfiehlt sich eine Mischung verschiedener Arten, abgestimmt auf die Lage: Die häufigsten Arten in Rasenmischungen sind Englisches Raigras, Rohrschwingel, Rotschwingel und Wiesenrispe.
Wie lange braucht das Saatgut zum Keimen?
Jede Art hat ihr eigenes Tempo, und in einer Mischung laufen manche Arten viel früher auf als andere. Die ungefähren Keimzeiten (University of Tennessee Extension):
- Englisches Raigras (Lolium perenne): 3–7 Tage;
- Rohrschwingel: 6–12 Tage;
- Rotschwingel (Festuca rubra): 6–14 Tage;
- Wiesenrispe (Poa pratensis): 14–21 Tage.
Deshalb kann ein frisch gesäter Rasen in den ersten Wochen ungleichmässig wirken: Das ist normal, die langsameren Arten folgen später.
Wie viel muss man den Rasen nach der Saat wässern?
Wenig, aber oft: Mindestens zwei Wochen lang, und bis die ganze Mischung aufgelaufen ist, darf der Boden nie austrocknen, denn ein Samen, der zu keimen begonnen hat und dann trocken bleibt, stirbt ab (technische Datenblätter von Hauert). Nötig ist täglich eine leichte Wassergabe, an heissen oder windigen Tagen auch zwei, welche die Oberfläche befeuchtet, ohne Pfützen zu bilden oder das Saatgut wegzuspülen (University of Tennessee Extension). Ist der Rasen aufgelaufen, geht man schrittweise zu kräftigeren, aber selteneren Wassergaben über. Das gilt nur für frisch gesäten Rasen: Ein etablierter Rasen wird durchdringend und selten gewässert.
Im Herbst übernimmt oft der Regen diese Aufgabe, doch in trockenen Wochen hilft eine programmierte Bewässerungsanlage, keinen Tag zu vergessen.
Wie verlegt man Rollrasen im Herbst?
Auch für Rollrasen ist der Herbst eine sehr gute Zeit: Bei kühlen Temperaturen und ausreichender Feuchtigkeit wachsen die Rollen gut an, und es braucht weniger Wasser als im Sommer (RHS). Damit die Rollen gut anwachsen:
- bereiten Sie den Boden vor der Lieferung vor: bearbeitet, eingeebnet und leicht verdichtet;
- verlegen Sie die Rollen möglichst innerhalb von 24 Stunden nach der Lieferung, denn aufgerollt erwärmen sie sich und nehmen Schaden (RHS);
- legen Sie die Rollen dicht aneinander und versetzen Sie die Fugen wie bei einer Backsteinmauer;
- walzen Sie nach dem Verlegen leicht an und wässern Sie reichlich, damit das Wasser auch den Boden unter den Rollen erreicht;
- betreten Sie die Rollen in den ersten 2–3 Wochen so wenig wie möglich (University of New Hampshire Extension);
- mähen Sie zum ersten Mal nach etwa drei Wochen, wenn die Wurzeln angewachsen sind, mit dem Rasenmähermesser auf höchster Stufe (RHS).
Wann erfolgt der erste Schnitt nach der Saat?
Wenn die jungen Gräser 5–7,5 cm hoch sind. Die RHS empfiehlt, den Boden leicht anzudrücken und zwei bis drei Tage später zu mähen, wobei höchstens ein Drittel der Höhe abgeschnitten wird. Die Messer des Rasenmähers müssen gut geschärft sein: Bei so jungem Gras reisst ein stumpfes Messer die Pflänzchen aus, statt sie zu schneiden.
Welchen Dünger verwendet man im Herbst?
Im Herbst braucht es einen Dünger, der auf die Jahreszeit abgestimmt ist: einen kalibetonten Herbstdünger mit weniger Stickstoff. Übrig gebliebener Sommerdünger eignet sich nicht: Zu viel Stickstoff am Ende der Saison lässt weiches Gras wachsen, das im Winter anfälliger für Krankheiten ist (RHS). Wenn Sie auf Nummer sicher gehen möchten, zeigt eine Bodenanalyse, wie viel Kalium und Phosphor tatsächlich nötig sind (Penn State Extension).
Welche Fehler sollte man beim Erneuern des Rasens im Herbst vermeiden?
- Zu spät säen: In kaltem Boden keimt das Saatgut nicht und bleibt Vögeln und Regen ausgesetzt.
- Den Boden in den ersten Wochen nach der Saat austrocknen lassen.
- Auf dicken Rasenfilz säen, ohne zu vertikutieren: Das Saatgut erreicht die Erde nicht, und die Keimlinge vertrocknen.
- Den neuen Rasen oder frisch verlegte Rollen betreten, bevor sie angewurzelt sind.
- Zu früh oder zu tief mähen oder einen stickstoffreichen Sommerdünger verwenden.
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Quellen
- Royal Horticultural Society, Starting a lawn from seed
- Royal Horticultural Society, Jobs for October: lawns
- Royal Horticultural Society, How to lay turf
- Penn State Extension, Lawn Management through the Seasons
- Iowa State University Extension, Overseeding a Lawn
- University of Tennessee Extension, Turfgrass Establishment: Seeding (W160-B)
- University of New Hampshire Cooperative Extension, Installing and Maintaining a Sod Lawn
- Hauert Swiss Green, technisches Datenblatt Sportrasen Neuanlage 310 (Neuansaat)
- Hauert Swiss Green, technisches Datenblatt Nachsaatrasen Weidelgras (Regeneration)